Rede von Chris Randl zur Vernissage in der Galerie GOTO, Frankfurt am Main

Sucht man einen Einstieg in das Thema "Mobile" kommt einem der Umstand sehr gelegen, dass es Marcel Duchamps war, der dieses Wort in die Kunstrezeption eingeführt hat. Man hat dadurch immerhin die Möglichkeit, Alexander Calder erst im zweiten Satz zu erwähnen; hier muss es aber schon sein, den Duchamps Wortschöpfung galt immerhin seinen Arbeiten.
Calder war es gelungen, ein zentrales Sujet der modernen Kunst in einzigartiger Weise zu visualisieren: das Thema Bewegung. Seit dem italienischen Futurismus galt ja schließlich unstrittig die Doktrin der Moderne, dass Bewegung und Geschwindigkeit zentrale Unterscheidungsmerkmale zwischen der schnellen, aufregenden modernen Zeit und den geruhsamen aber stinklangweiligen Epochen der Vorväter seien.

Calder löste mit den Drähten seiner Mobiles den Strich vom Blatt und projizierte ihn in den dreidimensionalen Raum, wo dieser dann ungeniert rotierte. Dank auch der beispiellosen Unterstützung Peggy Guggenheims wurden seine Arbeiten zu einem Synonym der Moderne; ihren Höhepunkt erreichte die Verehrung des Meisters in den 60er-Jahren.

Ab diesem Moment bewegte sich das Mobile langsam aber sicher von den avantgardistischen Zirkeln der Pariser Boheme in die Sphäre der pädagogischen Früherziehung mit inhärentem Bedeutungswechsel. Ein Ravensburger Spielehersteller löste Calder als Hauptproduzent der Mobiles ab. Künstler wagten es kaum mehr, in die Fußstapfen des Meisters zu treten, sie waren ja auch ziemlich groß. Alle haben das Mobile geliebt, aber: wir alle hatten es eigentlich vergessen.

Heute nehmen wir erstaunt zur Kenntnis, dass sich plötzlich in dieser Lücke wieder jemand breit macht, dass dieser ein Thema zu seinem Thema gemacht hat, das längst wieder ein Thema sein konnte: Paul Claessen baut Mobiles.

Sein Basisvokabular ist klassisch: Punkt kommt zur Linie und bewegt sich auf der Fläche. Dann aber dreht er die Linien, die Punkte werden Ballons, diese korrespondieren mit Diskokugeln, auch verwirrte Träger sind zu sehen. Manches Mobile scheint gar auf dem Kopf zu stehen. Alles ist sehr fein, fast fragil; dabei ist es verspielt genug, um nicht in dogmatischen Minimalismus zu verfallen.

Die Kinetik definiert sich als die Lehre von den Bewegungen der Körper unter dem Einfluss innerer und äußerer Kräfte. Mobiles werden von den äußeren Kräften Wind, Wärme und oder dem Anstoß des Betrachters bewegt.
Die inneren, die hier wirken, müssen die in Paul Claessen selbst sein:
Eleganz, Nonchalance und ein formidabler Gestaltungswille.